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Bernd Röthlingshöfer
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Was uns erwartet, wenn der Euro weg ist

Auf den internationalen Märkten wird dieses Szenario bereits durchgespielt: Der Euro zerbricht, Deutschland führt allein oder mit einigen Nicht-Mittelmeerländern eine neue Währung ein.

Trendletter-Prognose für diesen Fall: Von der Last der schwachen Länder befreit, wird sich Deutschland als sicherer Hafen für Investitionen etablieren. Die Nachfrage nach Bundesanleihen wird steigen, weil die Steuerzahler nicht mehr für die Schulden Griechenlands, Irlands und der Türkei aufkommen müssen.

So sollten Sie kalkulieren: Die wiedereingeführte Deutsche Mark (oder der Nord-Euro mit D, F, NL, B, L, A, SF) wird stärker sein als der heutige Euro.

Folgen: Per Saldo wird sich ein Wohlstandsgewinn einstellen, weil unsere Außenkaufkraft (Terms of Trade) steigt. Importe werden billiger, Inflation ist kein Thema mehr. Exporte allerdings verteuern sich – auf Märkten mit austauschbaren Produkten ein Wettbewerbsnachteil.

Trendletter-Prognose: Noch ist der Euro-Crash ein Gedankenspiel. Doch er wird wahrscheinlicher, wenn neue Turbulenzen entstehen, für die keine Rettungsschirme mehr möglich sind. Dann steht auch das politische Europa zur Disposition. Zudem werden die Banken unter den uneinbringlichen Schulden des „Club Med“ leiden.

5 Trends: So entwickelt sich Europas Wirtschaft in den kommenden Jahren weiter

  1. Rechnen Sie mit einer Zitterkonjunktur.
    Wir haben die Trendletter-Leser bereits mehrfach ins Bild gesetzt: Das Zeitalter der langen Konjunkturzyklen ist vorüber. Der Aufschwung wird immer wieder durch kurze Einbrüche unterbrochen. Die Zitterkonjunktur wird zur Normalität.

  2. Die Zentralbank verkommt zum Handlanger.
    Autonome Geldpolitik, die Inflation verhindern soll, findet weniger statt als früher. Die EZB muss sich den Vorgaben der Finanzminister unterordnen (wachsende Schulden auch maroder Länder finanzieren, die Konjunktur steuern).

  3. Die Staatsschuld wird teurer.
    Eurobonds, also gemeinsame Anleihen aller EU-Länder, kommen. Weil die Bonität der Gesamt-EU schlechter ist als die Deutschlands allein, werden wir deutlich höhere Zinsen für unsere Staatsschulden zahlen.

  4. Die fehlende Ausgangstür verstärkt die Desintegration.
    EU und Euro verfügen über einen wohldefinierten Aufnahmeprozess – ein Austrittsprozess ist jedoch nicht vorgesehen. Das führt im Falle weiterer, nicht mehr finanzierbarer Krisen zu einer Zerreißprobe.

  5. Konjunkturprogramme wirken nicht.
    Die Hoffnung, dass zusätzliche staatliche Ausgaben via Multiplikator zu einem Mehrfachen an wirtschaftlichem Impuls führen, hat sich nicht erfüllt. Keynes‘ Rezepte funktionieren nicht.

 
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